Feuer, Sturm und Regen.
Der Himmel ist bedeckt und grummelt ab und zu um seiner Verstimmung ausdruck zu geben der Wind putzt die Strassen und Regen lauert an jeder Ecke um sich schonmal hinterruecks auf einen arglosen Passanten zu stuerzen. Jaaa, ich musste jetzt bereits einige bittere Erfahrungen mit langen Fusswegen im Regen machen. Die Temperaturen troesteten jedoch etwas darueber hinweg, denn es laesst sich im Regen noch ganz gut aushalten. Und ich hab bei dieser Gelegenheit auch meine alte Liebe zu ‘Children of Bodom’ und ‘In Flames’ wieder entdeckt. Die Metal-Musik passt ganz gut zu Weltuntergaengen jeglicher Art und Weise.
Letztes Wochenende hab ich wieder einiges von dieser Stadt gesehen. Samstags waren wir auf dem Pazifika-Festival. Hulamaedchen, Kokusmilch, Vanilleeis in einer Ananas, viel Musik und die ueblichen Verkaufsstaende in denen man sich mit seinem eigenen Inselstaaten eindecken konnte.
Spaeter am Abend sind wir zur Auckland Domain gepilgert, dem grossen Park im Zentrum wo sich die halbe Stadt mit ihren Picknickkoerben auf Wolldecken geluemmelt hat um eine ganz besondere Show zu bestaunen. Wir (das altbewaehrte Gespann aus Kerstin, Tina und mir) haben uns hier zu nem Blinddate mit einigen deutschen Auswanderern aus dem Internet verabredet um gemeinsam den Abend zu geniessen. Das knappe Dutzend das sich um den vielleicht knapp sechzig jaehrigen Koch namens Wolfgang versammelt hatte, Aussteiger aller Altersgruppen. Manche schon unueberhoerbar seit Ewigkeiten im Land, andere erst seit ein oder zwei Jahren. Doch alle hatten sie etwas gemeinsam, voll beladene Picknickkoerbe mit Kartoffelsalat, Frikadellen, Keksen, Saft und Wein und wer weiss was noch fuer Leckereien. Wir drei Neulinge waren da nicht so gut vorbereitet, ich hatte grade mal ein Handtuch um mich draufzusetzen. Aber egal, die Sommerhitze war in milde Abendluft uebergegangen und ein sanftes Kribbeln in meinem Gesicht Versprach einen ordentlichen Sonnenbrand. Panisch fluechtende Kinder bestaetigten noch den Eindruck, dass ich mit meinem Gesicht die Landebahn eines mittelgrossen Flughafens beleuchten konnte. Sonnencreme ist jetzt mein bester Freund. Dann brach langsam die Dunkelheit an, einige Bands spielten entspannte Loungemusik, die grosse Wiese fuellte sich mehr und mehr, alle warteten auf das Feuerwerk.
Zur Eroeffnung des Auckland Festivals hatte die Stadt sich etwas ganz besonderes ueberlegt und hat eine Gruppe der beruehmtesten Pyrotechniker weltweit aus Frankreich einfliegen lassen. Die haben unter anderem bei den Olympischen Spielen in Athen und bei der WM in Frankreich den Himmel erleuchtet. Groupe F hatte nicht nur ein Feuerwerk im Sinn, es war viel mehr eine Lichtshow. Es ist zu schade, meine Bilder koennen nicht mal annaehernd der Szenerie gerecht werden. Ich koennte euch von Feuerblumen erzaehlen, von Menschen die Funkenspruehende Raeder und Fluegel auf dem Ruecken trugen, von buntem Rauch, glitzernden Faeden in der Luft die langsam zu Boden sinken, Explosionen die sich aus der Nacht schaelen um den Tag fuer Augenblicke zurueck zu holen oder zehn Meter hohe Flammen doch auch das koennte nur einen groben Eindruck geben. Nur Gandalf waere noch zu solchen Feuerwerken im Stande und ich fuerchte, dass ich das Neujahrsfeuerwerk in Rostock nie wieder mit den gleichen Augen sehen werde wie frueher. Feuerwerkstechnisch geht es in meinem Leben von nun an wohl nur noch bergab. : ./
Am naechste Tag haben wir dann noch den Zoo besucht, ich hab meinen ersten Kiwi-Vogel gesehen (von denen soll es nur noch 500 Exemplare geben) und einen tanzenden Elefanten, todesmutige Tauben und erstmalig konnte ich auf eine Giraffe herabschauen. Tja, da sind die auf einmal gar nicht mehr so ueberheblich.
In meiner WG hat sich auch langsam der Alltag eingestellt. Der Chinese nennt sich Billy, was fuer mich im geradezu laecherlichen Wiederspruch zu seinem Charakter steht, der ueberhaupt nichts von nem Billy Boy, eher was von nem Torben oder Holger hat. Er studiert Sport und verbringt seine Abende ausschliesslich vor dem Fernseher. Mustafa ist dagegen ein Partyanimal-vollblut und verbringt selten die Nacht in seinem Zimmer. Er scheint jeden hier auf dem Campus zu kennen und hat mir bereits mehr Leute vorgestellt als ich je in meinen Kopf behalten koennte. Hab jetzt auch hier auf dem Campus einige deutsche kennen gelernt, allerdings erst fluechtig und seltsamerweise haben wir uns nur auf englisch unterhalten. Da lob ich mir doch meinen somalischen Taxifahrerfreund der mich jedesmal mit, “Guten Morgen, wie geht’s?” begruesst. Ach und der letzte Mitbewohner ist ein ziemlich nettes Kiwimaedchen, Courtney, sie will Tieraertztin werden und ich warte noch auf den passenden Augenblick ihr meine Tierschaedelsammlung zu zeigen… .
Hab diesen Donnerstag mit meinen deutschen Maedels ‘Hut Fuzz’ im Kino geschaut, alter Schwede, der Film ist wirklich ein wuerdiger Nachfolger von ‘Shawn of the Dead’ kommt bei euch wohl erst spaeter ist aber wirklich ein Brueller und auf alle Faelle weiter zu empfehlen. Diesmal werden Polizei-und Actionfilme auf die Schippe genommen und er hat auch nichts von seiner deftigen Portion Brutalitaet mit der leckeren schwarzen Humor-Sosse verloren. Naechste Woche wolln wir dann ‘Black Sheep’ sehen, eine neuseelaendische Produktion ueber mutierte Monsterschafe, klingt also schonmal vielversprechend… .
Aber nicht dass ihr denkt, dass ich nur das fette Leben geniesse, zwischen den Wochenenden sind noch lauter so Wochentage mit allerlei Studentischem. Nur, das ist nicht unbedingt der Rede wert. Naechste Woche Donnerstag hat mein Kommolitone Raymond mich zum Mittagessen bei den Christen eingeladen….tolle Sache, gratis Mittagessen. Raymond ist sone Art chinesischer Hobbit was Statur und Gemuet angeht. Aber auch Amman versucht mich zum Christentum zu bekehren, neulich wollte ich ihm erklaeren, dass es so verrueckte Amerikaner gibt die an den Schulen die Evolutionstheorie durch die christliche Geschichte von Adam und Eva ersetzten wollten, da hat er nur den Kopf geschuettelt und gesagt, er habe von dieser komischen Evolutionstheorie schonmal gehoert und haelt sie fuer ausgemachten Unsinn.
So, das wars erstmal wieder. Ich meld mich. Ach, vielen Dank fuer die netten Nachrichten, vor allem da einige sich extra einen Blogg-Account angelegt haben, hatte gar nicht realisiert, dass man nur als Mitglied was schreiben durfte, muesste jetzt aber behoben sein. Und nochmal, auf mehrmalige Anfrage hin, ich schreib den Blogg natuerlich hauptsaechlich fuer meine deutschen Freunde in der Ferne. Welche Sprache ihr fuer eure Nachrichten benutzt ist mir eigentlich egal solange ich es irgendwie entschluesseln kann.
Haere Ra,
euer Carsten.
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3 comments:
Lieber Carsten!
Deine Worte leuchten wirklich heftiger als Deine Bilder. Wäre gerne dabei gewesen.Im übrigen fehlen mir die niedlichen Äffchenbilder, von denen Du erzählt hast und die dich an mich erinnern und zu denen du immer gehen solltest, wenn Du mal Heimweh hast. Alles weitere schreibe ich dir in der Mail, die ich mir fest vorgenommen habe, heute zu schreiben. Zu den Fotos noch eins: die sind wirklich schön, wie von einem anderen Stern, oder zumindest von einem anderen Ende der Welt und bitte mehr davon, aber ich spreche bestimmt in Namen der gesamten Leserschaft, die sich für Deine Mitmenschen, Wohnung, sprich gesamtes Lebensumfeld interessieren. Würde mich freuen, wenn Du dazu was schreiben/zeigen könntest.
So jetzt muss ich auch fleißig Hausaufgaben machen (jaja liebe Mitleser!!!!)
liebe Grüße, jan
ach da ist ja ein niedliches Äffchen. hab ich wohl übersehen. ach putzig ...
Hi Casi,
warum habt ihr nicht auf mich gewartet?!! Ich liebe Feuerwerk und Dein Bericht läßt mich vor Neid erblassen. Auch die Bilder geben anlass zum Staunen, auch wenn natürlich das Ganze drum herrum nicht zu sehen ist.
Wann bekommt diese Seite eigentlich mal Dein Gesicht zu sehen? :-)
Den neusten Familien-Klatsch schicke ich Dir dann per mail. So nun werd ich mich mal wieder an die Arbeit machen. Das fällt schwer, wenn man gerade von Neuseeland träumt.
Liebe Grüße Jutta
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